Musima - Echt VintŠtsch !!!




Im letzten Sommer habe ich es endlich geschafft, meine lange vernachlŠssigte Musima-E-Gitarre - eine Elektra-de-luxe - (ja genau, die von ganz frŸher!) zu sanieren und wieder spielfŠhig zu machen. Immerhin hat sie knapp 15 Jahre im Koffer zugebracht, wurde selten ans Tageslicht geholt und kaum benutzt - vor einigen Jahren hatte ich mir eine Fender-Stratocaster (ein Jugendtraum) gekauft, die ich ausschliesslich gespielt habe.

(Hier ist sie Ÿbrigens im Originalzustand zu sehen, auch wenn diese nicht die meinige ist, aber so habe ich sie 1981 gebraucht gekauft - Ÿbrigens ist die cheesy-guitars-site
auch sonst interessant)
 

ZunŠchst habe ich mich an das mittlerweile ziemlich vermoderte GerŠt, das jetzt immerhin ca. 30 Jahre alt sein wird, gar nicht selber ran getraut - allerdings ein aus diesem Grund aufgesuchter Berliner Gitarrenbauer ebensowenig (oder er hatte einfach keine Lust auf diesen Job mit etwas ungewissem Ausgang und ohne eventuelle Ersatzteile) - also hab ich dann doch eigenhŠndig als erstes den alten Lack (den ich irgendwann mal mit einem auflackierten Spinnweben verziert hatte) mit einer im Supermarkt gŸnstig erworbenen Handschleifmaschine entfernt und den nun freiliegenden Holz-Korpus mehrmals mit einer umwelt- sowie menschen-vertrŠglichen Lacklasur (geeignet auch fŸr Kinderspielzeug!) gestrichen.

Den Hals (der Ÿbrigens noch erstaunlich gerade ist) wollte ich ursprŸnglich fŸr diese Aktion abnehmen, was mir aber (aufgrund einer Klebung zusŠtzlich zur Schraubung) nicht gelang.
 
Danach begab ich mich auf die Suche nach einer einzelnen Mechanik, die fehlte, weil ich die Gitarre zuletzt als 5-Saiter (ohne tiefe E-Saite) in offener G-Stimmung gespielt hatte und die abgebaute sechste (vermutlich bei irgendeinem Umzug) im Nirvana verschwunden war.
Die vorhandenen 5 Mechaniken sind von Musima, allerdings von einer in den 80ern gebauten Strat-Kopie, die sich damals in meinem Besitz befand. Die Original-Elektra-Mechaniken waren offen, mit Plastik-Griffen ausgerŸstet und wenig stimmstabil.

Ein sehr freundlicher Mitarbeiter eines Musik-Ladens nahe dem Strausberger Platz hatte in seiner Kramkiste noch eine Mechanik, die zwar nicht exakt identisch ist, aber ganz Šhnliche Abmessungen hat und gut passt. Ausserdem bekam ich sie sogar geschenkt - vielen Dank nochmal an dieser Stelle!



Steg und Saitenreiter sowie Tonabnehmer waren teils angerostet, teils mit GrŸnspan besetzt und mussten komplett gereinigt werden - die Entrostungs-Lotion aus dem Baumarkt erwies sich als ungeeignet, da eine anschliessende schwarze Grundierung entstand (wer liest schon das Kleingedruckte auf der FlaschenrŸckseite...) - also musste ich auch diese wieder abschleifen, um endlich halbwegs blankes Metall sehen zu kšnnen....
Als Rost-Prophylaxe habe ich die abgeschliffenen Kleinteile mit einem Feinšl eingepinselt.



Den vorderen Tonabnehmer, den ich frŸher mal aus seiner Schutzkappe herausmontiert und aus soundtechnischen †berlegungen weiter hinten schrŠg aufs Pickguard geschraubt hatte, konnte ich nicht mehr retten - die Magnetstreifen waren vom Rost zu poršs und zerbrachen gleich beim Abschrauben.

Das Pickguard selbst wollte ich trotz einiger nicht mehr benštigter Bohrungen (die teilweise auch aus eigenen Modifikationen herrŸhrten - s.o.) erhalten und habe es zunŠchst abgeschliffen, die nicht mehr verwendeten Lšcher von der RŸckseite verschlossen (man kann ruhig sehen, dass da frŸher mal etwas war!) und die Vorderseite mit einem schwarzen, schlagresistenten(I hope so!) Lack gestrichen.
Zum Lack passend habe ich robuste schwarze Schrauben ausgesucht.



Die Elektronik habe ich (bis auf den defekten Pickup) original erhalten - d.h. ein Pickup (Singlecoil) in Stegposition, ein Tonepoti und ein Volumepoti.
Weggefallen ist der Pickup-Schalter (logisch oder?!) 
Fast alle Lštstellen habe ich erneuert - ebenso einige Kabel in der Schaltung.

Die Potis sind natŸrlich schšne, alte, offene und haben jedesmal, wenn man sie bewegt hat, ein kleines Hšrspiel von sich gegeben. Hier hat Kontaktspray Wunder bewirkt.



Nach dem Zusammenbau stand ich vor der Frage, welche SaitenstŠrke und Stimmung nun fŸr "die neue Geige" geeignet sind - ich entschied mich fŸr eine Normal-Stimmung (also nix offenes), aber einen Ganzton tiefer und hab einiges an Saiten probiert und bin bei Dean Markley 10-52 (LTHB - light top/heavy bottom) gelandet - fŸhlt sich einfach auf diesem Brett gut an - passt.



Der Sound ist auch mit nur einem Pickup erstaunlich flexibel und ziemlich individuell. †ber den Clean-Kanal meines Marshall-Combos gibt es (abhŠngig von der Tone-Poti-Einstellung) entweder schlanke, drahtige oder runde, bassreiche Cleansounds (trotz Steg-Pickup), die sich z.B. mit einem Chorus auch sehr gut fŸr jazzige KlŠnge eignen.

FŸr Crunchiges habe ich nach einigem Probieren eine gute Variante gefunden, nŠmlich eine Kombination aus einem Boss SD-1 (als Booster) und einem V-Amp (Modeling von: Brit-Class-A-Amp + 12"-Blackface-Cabinet), dessen Output ich in den CD-Input des Marshall-Combos einspeise.
Mit dieser Kette kann man am Tone-Poti der Gitarre, welches in der Mittelposition weniger Output-Level zur VerfŸgung stellt, sehr gut den Verzerrungsgrad (je nach Spielweise) von crunchy bis overdrive regulieren kann (am Volume-Poti geht`s auch, aber dort muss man mehr "kurbeln")
Der V-Amp kann natŸrlich auch jede Menge andere Sound-Varianten realisieren und fŸr marshall-typische Sounds gibt`s umschaltbar ja auch noch den Overdrive-Kanal vom Combo ;-)

Somit steht eine recht vielfŠltige Palette an Sounds zur VerfŸgung - man kann sich also auf lŠngere Klangreisen begeben !




In der Endphase der Bauarbeiten Ÿberlegte ich, einen kompensierten Sattel (als einzigen Eingriff durch einen Gitarrenbauer) anbringen zu lassen, um die Standard-Intonations-Probleme besser in den Griff zu bekommen (Stichwort g+h-Saite und Akkorde in unteren Lagen) - allerdings sind diese durch den Nullbund auf ertrŠglichem Niveau und ich bin nach intensivem Studium diverser Internet-Foren zu diesem Thema eher zu der †berzeugung gelangt, dass damit zwar vielleicht ein Problem gelšst wird, aber dafŸr mehrere neue auftauchen (Saitenlage / SaitenstŠrke / Sattelkerbentiefe / Leersaiten-Sound).


Ansonsten bin ich mit dem Ergebnis durchaus zufrieden, auch wenn sicher mancher Gitarrenbauer Bauchschmerzen hŠtte beim Betrachten des Instruments - es ist auf jeden Fall ein originelles Unikat, das einfach Spass macht - SchwŠchen und UnzulŠnglichkeiten inklusive, aber wer oder was ist schon frei davon........

Wer also noch eine alte E-Gitarre irgendwo im Keller vergraben hat - es lohnt sich, Zeit und Mu§e zu investieren, um diese alten SchŠtze wieder ans Licht zu bringen - es muss nicht immer die "original-relic"-Abteilung der Gitarren-Shops sein....

Viele GrŸsse aus Johannisthal an den Rest der Welt,
mamue (10/2005)